Simon Fujiwara, The personal effects of Theo Grünberg, 16.07.2010, 19.00h, Performance, NUMBER THREE: HERE AND NOW, JULIA STOSCHEK COLLECTION, Düsseldorf
Der britische Künstler Simon Fujiwara bringt in Theaterstücken, Kompositionen, literarischen Werken, Performances und Installationen seine eigene Biografie als Fiktion zum Ausdruck und zur Aufführung. In dichtgewebten erzählerischen Dramen über persönliche Beziehungen, Familienverhältnisse, Politik und Geschichte schlüpft Fujiwara in immer neue Rollen als Archäologe, Architekt, Schriftsteller, Regisseur und Erotiker. Als der Akademiker, Forscher, Nazigefangene und Erotiker Theo Grünberg im Winter 2008 in Berlin stirbt, ist er 136 Jahre alt. Sein persönlicher Nachlass, der unter anderem eine Bibliothek aus fast 1000 Bänden sowie lyrische Tagebücher, Schallplatten, Zeitungsausschnitte und Postkarten umfasst, gelangt über Grünbergs Enkel in den Besitz von Simon Fujiwara. Bei dem Versuch, aus den vorgefundenen Bruchstücken die Lebensgeschichte des unvorstellbar alten Mannes zu rekonstruieren, begibt sich Fujiwara auf eine Reise, die ihn schon bald in ein Labyrinth der Spiegelungen, Sackgassen und Irrwege führt. Seinen persönlichen Bericht von dieser Suche präsentiert Fujiwara in Form einer Performance vor der Kulisse der Bibliothek des Theo Grünberg. Auf seiner zweijährigen Reise um die ganze Welt, die ihn vom Stasi-Hauptquartier in Berlin bis in die Tiefen der Regenwälder des Amazonas führt, legt er über 10.000 Kilometer zurück. In dem Maße, in dem sich Grünbergs Lebensweg immer mehr mit der deutschen Zeitgeschichte verquickt, verselbständigt sich auch dessen Gestalt. So gerät Fujiwara zunehmend in den Bann seiner eigenen Erfindung – bis er eines Tages herausfindet, dass Theodor Grünberg, der Mann des 20. Jahrhunderts, womöglich gar nicht tot ist.
Simon Fujiwara studierte Architektur in Cambridge sowie bildende Kunst an der Städelschule in Frankfurt am Main. Zu den Stationen seines aktuellen Ausstellungsprogramms gehören unter anderem die 53. Biennale von Venedig (2009), die 29. Biennale von São Paulo (2010), die Manifesta 8 (2010), das MUSAC in León (2010) und die Statements-Sektion der Art Basel (2010). Er ist diesjähriger Preisträger des Cartier Award der Frieze Art Fair und des Baloise Art Prize der 41. Art Basel und darüber hinaus für den Future Generation Art Prize des PinchukArtCentre in Kiew nominiert. Er lebt und arbeitet in Berlin und Mexiko-Stadt.
Programm
27.10.2009 Andrea Fraser
27.11.2009 Marina Abramović, Eunhye Hwang, Ragnar Kjartansson, Nico Vascellari
28.11.2009 WW in concert
12.12.2009 Andrea Zittel
18.12.2009 Dara Friedman
09.01.2010 Xavier Le Roy
22.01.2010 Bert Didillon, Stefan Ettlinger, Andreas Korte, Cornelius Quabeck, Sven Vieweg
06.02.2010 Christian Jankowski
27.02.2010 Jérôme Bel, Eva Meyer-Keller
13.03.2010 Sharon Hayes
26.03.2010 Keren Cytter, Michalis Nicolaides, Annette Sonnewend & Michael Strasser (Cie. Agar Agar)
09.04.2010 Jimmy Robert, Saskia de Keyser, Emma Hedditch, Ian White
24.04.2010 Jen DeNike
14.05.2010 Manuel Graf
28.05.2010 Joan Jonas
05.06.2010 Tino Sehgal
12.06.2010 Tino Sehgal
18.06.2010 Tris Vonna-Michell
19.06.2010 Tino Sehgal
26.06.2010 Tino Sehgal
03.07.2010 Allora & Calzadilla
10.07.2010 Allora & Calzadilla
16.07.2010 Simon Fujiwara
17.07.2010 Allora & Calzadilla
24.07.2010 Allora & Calzadilla
29.07.2010 John Bock



