Das Ausstellungshaus der Julia Stoschek Collection wurde 1907 als viergeschossiges Fabrikgebäude der Firma Die Bühne GmbH in Düsseldorf, Oberkassel gebaut. Angesichts des städtebaulichen Wandels erinnert das Gebäude heute an einen ehemaligen Industriestandort und an die Güterbahnhofsgegend am Belsenplatz – eine Feldbahn für Koks- und Kulissentransport.

In der Kombination fortschrittlicher Bautechnik wie beispielsweise der Arbeit mit Stahlbeton und der gleichzeitigen Verwendung traditioneller Elemente - zum Beispiel die das Hauptgebäude flankierenden Türme - ist der Bau auch ein beispielhaftes Denkmal der Industriearchitektur der Frühmoderne. Durch die Vielzahl der Nutzungen in seinem 100jährigen Bestehen legt das Gebäude eine Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse offen und repräsentiert eine Gewerbegeschichte des 20.Jahrhundert.

Im Wesentlichen lassen sich vier Nutzungsperioden in der Geschichte des Fabrikhauses ablesen: Der Bauherr und erste Besitzer des Gebäudes ist die Firma Die Bühne GmbH, die am 2.3.1907 den Bauantrag durch Direktor Max David stellt. Bis 1912 wird das Gebäude zur Herstellung künstlerischer Theaterausstattung genutzt und es befinden sich dort von der Schmiede, Schlosserei, Sattlerei bis zur Schreinerei und einem Malersaal verschiedene, Hand in Hand arbeitende Werkstätten.

Ab 1911/12 teilt sich die Bühne die Geschosse einerseits mit der Rheinischen Aerowerke GmbH, die als Untermieter einen Prüfstand für 3-Zylinder Motoren für Luftschiffe sowie einige Werkstätten betreibt, andererseits kommt die Neue Licht Gesellschaft zur Fabrikation von Leuchtmitteln ab 1912 ins Haus.

Nachdem die Bühne den Büro- und Fabrikbetrieb am 7.11.1912 einstellt, zieht 1913 die Spirella Company als zweiter Besitzer in das Gebäude an der Schanzenstraße und bleibt dort bis 1936 ansässig. Im Fabrikbau will die Spirella Gesellschaft Damenkorsette und Korsette für medizinische Zwecke fertigen. 1913 fabriziert parallel Gustav Görisch Harnische, Helme, Schilder, Schwerter, Kettpanzer, Waffen und Schmuck für Theater und Sammlerzwecke. Im 1. Weltkrieg waren Teile des Geländes an die Metallindustrie GmbH verpachtet und ab 1916 gleichfalls an die Holzindustrie, in der Geschosskästeneinsätze für den Heeresbedarf gefertigt wurden.

Die dritte Gewerbephase ist durch die Produktionstätigkeit der Betten- und Matratzenfabrik Fa. Wilhelm Berg ab 1936 bestimmt. Nach dem 2.Weltkrieg übernimmt der Rahmen- und Leistenfabrikant F.G. Conzen den Betrieb und bleibt im Gebäude bis 2002 ansässig.

Nach vierjährigem Stillstand findet das Fabrikgebäude nun als kultureller Ort und privates Ausstellungshaus eine völlig neue Bestimmung.

Für den Umbau in ein Ausstellungshaus wurden die Berliner Architekten Kühn Malvezzi beauftragt. Kühn Malvezzi wurde 2001 in Berlin von den Architekten Simona Malvezzi, Johannes und Wilfried Kühn gegründet. 2002 machte sich das Büro mit dem Umbau der Kasseler Binding Brauerei für Okwui Enwezors Documenta 11 einen Namen. Mit der Erweiterung des Museums für Gegenwart im Hamburger Bahnhof für die Friedrich Christian Flick Collection realisierte Kühn Malvezzi 2004 in Berlin eine weitere Architektur für zeitgenössische Kunst. Daneben entstanden seit 2001 zahlreiche Ausstellungsarchitekturen für Max Holleins Schirn Kunsthalle und das Städel Museum in Frankfurt, für das K20 in Düsseldorf und das Mumok in Wien. Zur Zeit wird das Untere Belvedere in Wien durch Kühn Malvezzi im Auftrag der neuen Direktorin Agnes Husslein-Arco als Ausstellungsort moderner und zeitgenössischer Kunst umgebaut.