OUT OF SPACE 1: CAO FEI - WHOSE UTOPIA, JULIA STOSCHEK COLLECTION, Gloriahalle, Düsseldorf. 25.04.2009 - 27.06.2009

Unter dem Titel OUT OF SPACE wird ab dem 24. April 2009 eine neue Reihe von Ausstellungsprojekten der JULIA STOSCHEK COLLECTION starten. Wie der Name schon suggeriert, finden diese in unregelmäßigen Abständen an externen Orten und nicht im eigentlichen Sammlungsgebäude der JULIA STOSCHEK COLLECTION in der Schanzenstrasse 54 statt.

Die erste auswärtige Ausstellung dieser Projektreihe präsentiert die in Peking lebende Multimedia-Künstlerin Cao Fei und wird am 24. April 2009 im Rahmen der diesjährigen Art Cologne - 43. Internationaler Kunstmarkt - in der Düsseldorfer Gloriahalle in der Belsenstrasse 20 eröffnet.

Cao Fei gehört zu den wichtigsten chinesischen KünstlerInnen ihrer Generation. 1978 in Guangzhou geboren, ist sie in der Welt der elektronischen Unterhaltung und Werbung aufgewachsen. Fasziniert von der pulsierenden Konsumgesellschaft entwickelte sie eine sehr persönliche Bildsprache, die auf spielerische, ironische und humorvolle Weise Themen wie Phantasie, Wunsch, Kritik und Genuss miteinander verknüpft und dabei die Grenzen zwischen Realität und Fantasie changieren lässt. In ihrem weit gefächerten Œuvre, das von Fotoserien über Videofilme, Performances, Installationen bis hin zu Schriften und Theater reicht, erforscht Cao Fei vor allem die rasanten gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche im gegenwärtigen China sowie die neue Generation chinesischer Jugendlicher.

WHOSE UTOPIA (2006)

Zentrale Arbeit der Ausstellung ist die raumgreifende Installation „Whose Utopia“. Diese ergründet das Leben von Wanderarbeitern des südchinesischen Pearl River Deltas. In dem Projekt „What are you doing here?“, das vom Siemens Art Program initiiert wurde, integriert Cao Fei die Mitarbeiter der Glühbirnenfabrik „Osram“ in Foshan, indem sie die Angestellten in Einzelgesprächen nach ihren verborgenen Träumen, beruflichen Wünschen, Zielen und eigenen Vorstellungen befragt.
Nicht nur eine Utopie, sondern vor allem die Schattenseiten der Globalisierung und die damit einhergehenden Veränderungen der sozialen Verhältnisse zwischen dem Individuum und dessen gesellschaftlicher Einbettung spiegeln sich in der Arbeit wider. In dem aus dem Projekt entstandenen gleichnamigen Video berichten die Angestellten von den negativen Seiten ihres Daseins als Wanderarbeiter. Ergänzend dazu zeigen die Fotografien ihre ärmlichen Wohnungen, in denen kaum Platz für Privates bleibt.

I. MIRROR BY CHINA TRACY (AKA: CAO FEI) (2007)

In den Arbeiten „I. Mirror“ und „RMB City“ setzt die Künstlerin sich mit dem Phänomen der Onlineplattform „Second Life“ (www.secondlife.com) auseinander. Die internetbasierte Parallelwelt wird seit 2003 von 15 Millionen Mitgliedern genutzt und jeder Teilnehmer kann durch einen Avatar - seinem digitalen, computeranimierten Stellvertreter - in Second Life agieren, virtuelles Geld verdienen oder sogar eigene Unternehmen gründen.
Als Avatar „China Tracy“ beschäftigte Cao Fei sich insgesamt ein Jahr lang mit der Welt des „Second Life“, um dessen Möglichkeiten zu erkunden. Für die Dokumentation fertigte die Künstlerin Machinimafilme an - Animationsfilme, bei denen die 3D-Graphiken des Onlinespiels in digitale Videoanimationen umgewandelt werden.
„I. Mirror“ beleuchtet in drei Teilen die Schönheit als auch die Exzesse dieser virtuellen Welt und thematisiert die Liebesgeschichte zwischen den Avataren „China Tracy“ und „Hug Yue.“ Trotz der farbenfrohen, scheinbar verspielten Umgebung wird durch die Musik ein Gefühl der Einsamkeit und alles durchdringenden Sehnsucht spürbar. Die Fantasiewelt des „Second Life“ bleibt ein kalter und einsamer Ort.
Das Projekt „I. Mirror“ endete 2007 mit der Präsentation der Videotriologie auf der 52. Biennale di Venezia im Chinesischen Pavillion.

RMB CITY. A SECOND LIFE CITY PLANNING BY CHINA TRACY (2007)

Während dieses erste Projekt sich mehr mit der Erforschung des „Second Life“ beschäftigte, fokussiert das zweite „Second Life“ Vorhaben „RMB City. A Second Life City Planning by China Tracy“ die Erschaffung einer neuen traumhaften Fantasiestadt in der virtuellen Welt.
„RMB City“ (RMB ist die Abkürzung für die chinesische Währung Renminbi) reflektiert die derzeitige Welle der Urbanisierung sowie die rasanten gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche in China. So besteht die Architektur von „RMB City“ aus einer Ansammlung von Zeichen des Kommunismus, Kapitalismus und Sozialismus - vergegenwärtigt durch historische und zeitgenössische chinesische Ikonen sowie Protagonisten der chinesischen Kultur. Neben Chinas Nationalsymbol dem Pandabären, erscheinen das neue Nationalstadion in Peking oder ironische und subversive Zitate wie eine halb im Wasser versunkene, riesige Maostatue. Seit der Vollendung der virtuellen Stadtkonstruktion Ende 2008 können die Gebäude der „RMB City“ (www.rmbcity.com) zwei Jahre lang von kulturellen Institutionen gekauft und belegt werden.

HIP HOP GUANGZHOU (2003)

In Cao Feis früherem Hip Hop-Projekt verschiebt die Künstlerin allerdings den Fokus auf China: Das Projekt fand neben Stationen in China auch in New York und Berlin statt. In allen Städten wurden Personen mit unterschiedlichen nationalen, sozialen und kulturellen Hintergründen in Hip Hop-Tänzer versetzt und dadurch die starren Grenzen zwischen dem mediendominierten Leben der jüngeren Generation und dem Alltag der Elterngeneration durchbrochen. Für „Hip Hop Guanghzou“ spielte Cao Fei dem Obstverkäufer oder einem Bauarbeiter Hip Hop-Tracks und Tanzbewegungen vor und führte sie so in die grundlegenden Bewegungsformen ein, die auch an die traditionellen Formationstänze chinesischer Gruppen erinnern.

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