NUMBER FOUR: DEREK JARMAN – SUPER8. 11.09.2010 - 26.02.2011

Die JULIA STOSCHEK FOUNDATION e.V. zeigt in Zusammenarbeit mit James Mackay als Beitrag zur Quadriennale 2010 in Düsseldorf erstmals in Europa eine umfassende Retrospektive des experimentellen Filmwerks Derek Jarmans aus dem Super-8-Archiv. Es handelt sich hierbei um die erste Einzelausstellung eines Künstlers in der JULIA STOSCHEK COLLECTION.

Der britische Maler, Filmemacher, Bühnenbildner und Schriftsteller Derek Jarman (1942-1994) ist einem breiten Publikum vor allem als Regisseur stilprägender Spielfilme und Musikvideos aus den 1980er und frühen 1990er Jahren bekannt. Weniger verbreitet, aber maßgeblich für sein Gesamtwerk sind seine über 60 Super-8-Filme, die Jarman von 1970 bis zu seinem Tod 1994 drehte. Aufgenommen aus dem subjektiv-persönlichen Blickwinkel seiner Handkamera vermitteln die szenischen Arrangements Jarmans künstlerische Haltung, in der sich Leben und Kunst stets wie selbstverständlich miteinander verbinden. Spontaneität und Leichtigkeit einerseits, Symbolhaftigkeit und Mythologie anderseits, bestimmen die häufig autobiografischen Filmdokumente, die er selbst als „Kino der kleinen Gesten“ bezeichnete.

Die 24 digitalisierten Filme aus dem Super-8-Archiv verteilen sich ergänzt durch einen 16-mm-Tonfilm und die BlueRay-Version eines 35-mm-Spielfilms auf die beiden Stockwerke der Ausstellungsfläche und das Kino im Basement. Den Beginn machen auf der unteren Etage 12 Filme zum sozialen und (sub-)kulturellen Umfeld Jarmans und seinen Freundeskreisen. Die Übergänge zwischen Dokumentation und Inszenierung sind dabei fließend und spiegeln sich auch stilistisch in den Arbeiten wider. Zwei Tonfilme, die jeweils einzeln präsentiert sind, unterbrechen diese Reihung. Auf den ersten Raum folgt "TG: Psychic Rally in Heaven" (1980), ein frühes Musikvideo-Experiment Jarmans und vor dem zweiten Raum wird "Imagining October" (1984) – nicht zuletzt wegen seiner Referenzen zu Sergei Eisenstein und dem sowjetischen Film – in seiner ursprünglichen Präsentationsform als 16-mm-Tonfilm vorgeführt.

Im zweiten Stockwerk bilden 11 Filme die Werkgruppe um Ritus, Mythologie und Landschaft. Bewusst sind dabei die Arbeiten im völlig offenen Raum um die zentrale 3-Kanalprojektion "Art of Mirrors I–III" (1973) installiert. Panoramatisch stellen sich so zwischen den verschiedenen Werken aus den Jahren 1971 bis 1978 inhaltliche und stilistische Bezüge her.
Die Ausstellung führt schließlich in den Kinoraum im Basement, wo Derek Jarmans letzter elegischer Spielfilm "Blue" (1993) zu sehen ist.
Simon Fisher Turner, der bereits bei vielen Spielfilmen Jarmans seit den 1980er Jahren für den Soundtrack verantwortlich war, hat für die Ausstellung ein spezielles Soundkonzept mit atmosphärisch, raumspezifischen Klanglandschaften entworfen.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag der Buchhandlung König, Köln erschienen. Der darin enthaltene Essay von Jon Savage setzt die ausgewählten Arbeiten in den Kontext ihrer jeweiligen zeitgeschichtlichen Hintergründe. Im 1985 von Simon Field und Michael O´Pray geführten Interview spricht Derek Jarman selbst über sein Schaffen. Zur Publikation

Am 08.12.2010 wird die Kunst- und Filmwissenschaftlerin Elke Kania um 19.00h den Vortrag "Derek Jarmans Caravaggio oder Film als Alchimie" halten, in dem sie die "Begegnung" zwischen den beiden "Revolutionären" Derek Jarman und Caravaggio beleuchtet.
Im Anschluss an den Vortrag wird der Spielfilm "Caravaggio" von Derek Jarman ab 20.30h im zweiten Ausstellungsgeschoss der JULIA STOSCHEK COLLECTION präsentiert.
Eintritt frei! Leider keine Reservierungen möglich. Zum Vortrag