NUMBER ONE: DESTROY, SHE SAID, JULIA STOSCHEK COLLECTION, Düsseldorf. 18.06.2007 - 02.08.2008

Für die Eröffnungsausstellung mit dem Titel NUMBER ONE: DESTROY, SHE SAID hat Julia Stoschek 42 internationale künstlerische Positionen zusammengestellt, die sich vornehmlich mit den Themen Konstruktion/Dekonstruktion, Innenraum/Außenraum beschäftigen.

Der Ausstellungstitel NUMBER ONE: DESTROY, SHE SAID ist vielleicht durch den gleichnamigen Roman von Marguerite Duras (franz. Destruire, dit elle) bekannt, verdankt sich aber vor allem der zweiteiligen Videoinstallation von Monica Bonvicini „Destroy She Said“ aus dem Jahr 1998, die in Filmausschnitten aus Autorenfilmen der 1950-70er Jahre die Rolle der Frau in diesen Filmen thematisiert. Auch zur Hochzeit des Feminismus werden die Frauen hier vor allem alten Klischees folgend als hilflose Wesen dargestellt.
Die Arbeiten in der Ausstellung beschäftigen sich folgerichtig mit räumlichen, psychologischen und zwischenmenschlichen Ausnahmezuständen. Darüber hinaus sind in den einzelnen Geschossen Arbeiten zu untergeordneten Fragestellungen und Themen zusammengefasst, um einzelne Aspekte einerseits zu verstärken und andererseits die Offenheit von DESTROY, SHE SAID zu erweitern.

DESTROY, SHE SAID impliziert zunächst den Gestus der Zerstörung. Dieser Aspekt findet sich in vielen Arbeiten wieder. Beispielhaft für die Zerstörung von Innenräumen und Strukturen sind die Arbeiten „Shades of Destructors“ von Mark Leckey, oder auch „Hammering Out (an old argument)“ von Monica Bonvicini. In der Arbeit „Burn“ des Künstlerduos Reynold Reynolds & Patrick Jolley ist es das Feuer im trauten Heim, das als zerstörerisches Element eine absurde und beängstigende Atmosphäre schafft.
Die Arbeit „Empire“ von Paul Pfeiffer dagegen dokumentiert in drei Monaten Echtzeit die mühevolle Arbeit von Wespen an ihrem Nestbau und thematisiert somit den Aspekt der Konstruktion, wie auch den der Effektivität in klar hierarchischen Ordnungen. Die dreiteilige Installation von Tony Oursler im Eingangsbereich hingegen lässt urbane Innen- und Aussenräume so komplex miteinander in Dialog treten, dass die bekannten Regeln und Zuweisungen wie Innen und Außen in diesem Haus im Haus aus dem Gleichgewicht kommen.

Zum Gestus der Zerstörung tritt im Falle der Arbeiten von Robert Boyd oder Adam McEwen ein Gefühl der tiefgreifenden Verstörung. Robert Boyd zeigt in seiner Vierkanal-Videoinstallation „Xanadu“ die selbstzerstörerischen Impulse unserer Gesellschaft, indem er verschiedene Elemente der Massenkultur wie Nachrichten, Dokumentationen Comics und Popmusik verdichtet und zu einer sekundenschnellen Bilderfolge der grauenhaft zufälligen Schnittstellen unserer Medienwirklichkeit aneinanderreiht, in der zwischen Unterhaltungs-, Informationswert und Horror kaum mehr unterschieden werden kann.

Die Arbeit „A-Line“ von Adam McEwen stellt dann buchstäblich die Welt auf den Kopf. Gezeigt werden die erhängt zur Schau gestellten Leichname von Benito Mussolini und Clara Petacci vor einer Tankstelle an einem Platz in Mailand.

Zentrale Arbeit im zweiten Ausstellungsgeschoss ist die Mehrkanalinstallation „Interiors“ von Doug Aitken. Auf drei transluzenten Leinwänden werden die scheinbar unvereinbaren Geschichten verschiedener Personen geschildert, die sich durch Innenräume und urbane Landschaften bewegen. Eine Steigerung erfährt dieses Gefühl von Orientierungslosigkeit durch die Arbeiten von Anthony Burdin, dessen Protagonist in „Desert Mix“ den Betrachter durch bizarre Gegenden führt.
Ein weiterer Aspekt der Ausstellung thematisiert räumliche Abgrenzung und Ausgrenzung. Beispielhaft hierfür stehen Thomas Demands „Fence“ und Taryn Simons Arbeit „Calvin Washington“ aus der Fotoserie „The Innocents“ aus dem Jahre 2002, die unschuldig zum Tode Verurteilte an ihren vermeintlichen Tatorten zeigt.
Unter dem Thema „Circular Moves“ werden eine Reihe von Arbeiten gezeigt, die sich der Kreisbewegung widmen. „Relation in Movement“ von Marina Abramovic, „High Performance“ von Aaron Young, aber auch Anthony McCall mit „Line describing a cone“. McCall projiziert dabei mit Hilfe eines 16mm Kinoprojektors Licht auf eine schwarze Fläche, das durch den Gebrauch einer Nebelmaschine als langsam entstehender, perfekter Lichtkegel sichtbar wird. Der Kinoraum und damit das Prinzip Projektion wird gewissermaßen zur Skulptur, die das klassische Verhältnis von Betrachter und Kinoprojektor auflöst.

Ein Querschnitt der Arbeiten wird ab September 2009 im PinchukArtCentre in Kiew zu sehen sein. Zur Ausstellung

Begleitend zur Ausstellung NUMBER ONE: DESTROY, SHE SAID ist ein Katalog erschienen. Zur Publikation

Künstlerliste

Marina Abramović/Ulay, Doug Aitken, Francis Alÿs, Heike Baranowsky, Dara Birnbaum, Monica Bonvicini, Robert Boyd, Lonnie van Brummelen, Anthony Burdin, Jeff Burton, Paul Chan, Thomas Demand, Olafur Eliasson, Dara Friedman, Kate Gilmore, Douglas Gordon, Manuel Graf, Dan Graham, Jeppe Hein, Christian Jankowski, Joan Jonas, Mark Leckey, Klara Liden, Gordon Matta-Clark, Anthony McCall, Adam McEwen, Bruce Nauman, Tony Oursler, Paul Pfeiffer, Reynold Reynolds & Patrick Jolley, Pipilotti Rist, Thiago Rocha Pitta, Natascha Sadr Haghighian, Taryn Simon, Robert Smithson, Mathilde ter Heijne, Kon Trubkovich, Bill Viola, Clemens von Wedemeyer, Aaron Young.

Seitenanfang