Langzeitarchivierung

Videoarbeiten sind – wie andere Kunstwerke auch – Alterungsprozessen unterworfen, die langfristig zu Schäden oder gar dem Verlust der Arbeiten führen können.
Doch nicht nur die Medien selbst altern. Auch die Inhalte können im Laufe der Jahre unlesbar werden. Der technologische Fortschritt bringt immer neue Fileformate und Software-Codecs hervor, die Einzug in den Produktionsprozess von Videokünstlern halten. Deshalb muss neben den materialbedingten Risiken auch immer genau beobachtet werden, welche Technologien zukunftsträchtig sind – und welche digitalen Formate aussterben.
Um diesen Rahmenbedingungen gerecht zu werden, wurde eine mehrstufige Strategie zur Langzeit- archivierung für die JULIA STOSCHEK COLLECTION entwickelt, die auf dem „Drei-Säulen-Modell“ basiert. Ziel der Strategie ist es, die heterogene Sammlung auf der digitalen Ebene auf wenige, etablierte und einheitliche Zielformate zusammenzufassen. Hierdurch wird der konservatorische Aufwand merklich reduziert, da lediglich eine überschaubare Anzahl von Formaten regelmäßig überprüft und durch Obsoleszenz-Monitoring abgesichert werden muss.
Gleichzeitig sorgen redundante Back-ups für zusätzliche Sicherheit beim Fortbestand der Sammlung.

Medienkunstdepot

Basis und „Schatzkammer“ der Sammlung ist jedoch das Medienkunstdepot. Weil schwankende sowie hohe Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte für Bänder und Filme schädlich sind, war dies bei der Planung einer der wichtigsten Aspekte. Temperaturen um 15°C sowie 35% relativer Luftfeuchtigkeit gelten als optimal für die Lagerung von Magnetbändern und wurden deshalb realisiert. Auch für andere Medien wie Filme und Dias sind diese Bedingungen sinnvoll.
Das individuell für die JULIA STOSCHEK COLLECTION konzipierte und geplante Medienkunstdepot verfügt über zwei Schleusen: die Personenschleuse verhindert abrupte Klimawechsel beim Betreten. Die zweite Schleuse ist für Bänder und Medien konzipiert, die ins Mediendepot eingelagert werden. Sie können sich in der Schleuse langsam akklimatisieren bevor sie dann in einer speziellen Rollregalanlage aufbewahrt werden. Die Rollregale sind kugelgelagert und ermöglichen eine optimale Raumnutzung. Um alle Risiken für die gelagerten Videobänder auszuschließen, wurden die einbrennlackierten Regalböden auf Restmagnetisierung untersucht. Zudem verhindert die Erdung der Regale eine statische Aufladung.
Weil Staub und Luftschadstoffe eine ernsthafte Gefahr für Medienkunstwerke darstellen, wird die Luft vor und nach der Konditionierung mehrfach gefiltert. Gleichzeitig sorgen Rauch- und Wassermelder sowie eine Alarmsicherung für einen umfassenden Schutz vor Gefahren.
Die aufwendige technische Ausstattung in Verbindung mit der speziell konstruierten Rollregalanlage machen das Medienkunstdepot einzigartig in Europa.



Andreas Weisser
Diplomrestaurator

http://www.restaumedia.de/